25.07.2008 - 06:12
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  #16  
Alt 14.04.2008, 06:27
Benutzerbild von EL_Mercenario
Quaestor
 
Registriert seit: 23.01.2008
Beiträge: 101
Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Es gibt ja eigentlich nur zwei langfristige Optionen, einerseits Genfood und andererseits Hungersnöte mit folgender natürlicher Regulierung der menschlichen Population.
Das würde ich in der Form bestreiten, denn da müsste erstmal der Nachweis vorliegen, dass mit Genfood höhere Erträge als normal erzielt werden können. Es gibt zwar "round up"-Pflanzen, die herbizidresistent sind, so dass man Unkraut durch massiven Gifteinsatz vernichten kann ohne befürchten zu müssen, die Ackerpflanze zu schädigen. Allerdings befürchte ich, dass mittelfristig der Gifteinsatz nachteilige Folgen hat, eine großflächige Ackerkultur wo wirklich nur noch eine einzige Pflanzensorte lebt, erscheint mir etwas zu einfach, als dass das so funktionieren könnte.

Die systematische Umsetzung des "drive-by-food" Konzeptes halte ich bei der mittelfristig absehbaren Versorgungslage (die 12 Mrd für 2050 haben wir ja immer noch fest im Blick) für schieren Wahnsinn.

Geändert von EL_Mercenario (14.04.2008 um 06:31 Uhr).
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  #17  
Alt 18.04.2008, 10:43
Spender
 
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Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 606
Ich greife dieses Thema wieder auf, weil es ein Dauerbrenner zu werden scheint. Ich meine: Angst vor dem Hunger ebnete letztlich dem Faschismus den Weg. Sie war zwar vielleicht nur eine Facette, aber eine nicht zu unterschätzende bei der zunehmenden Unzufriedenheit der Menschen mit den Machthabern in der Weimarer Republik. 1923 war die Inflation in Deutschland auf ihrem Höhepunkt angelangt — waschkörbeweise trugen die Arbeiter ihren Lohn in die Lebensmittelläden, bevor das Geld weiter an Wert verlor.
Der Brotpreis lag im Januar noch bei 250 Mark, im Juni bei 1428 Mark, im September bei 1,5 Millionen und im Dezember bei 399 Milliarden. Erst die Ausgabe einer neuen Währung, der Rentenmark, stoppte die Spirale. Aber das Vertrauen in die Regierung war dahin.
Die Halbierung der Wochenlöhne zwischen 1928 und 1932 schürte Ängste vor dem Gespenst des Hungers. Suppenküchen in den Großstädten versuchten, die schlimmste Not zu lindern. Hitlers Programm der NSdAP fiel unter solchen Umständen in Deutschland, und Mussolinis Propaganda in Italien auf einen fruchtbaren Nährboden.
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  #18  
Alt 18.04.2008, 10:54
Propraetor
 
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Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 583
Von einer Hyperinflation sind wir aber noch meilenwert entfernt. Viel gefährlicher als steigende Lebensmittelpreise (auf die EU bezogen) halte ich die schleichende Sozialisierung der Gesellschaft mit der damit verbundenen Verschuldung, die die Inflation anheizen wird.
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  #19  
Alt 20.04.2008, 10:14
Thete
 
Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 701
Das wundert wohl niemand T.L.

Ich halte die Aufkündigung der gesellschaftlichen Solidarität für viel bedrohlicher. Ist der soziale Friede erst mal weg hilft das niemand weiter. Und der soziale Friede wird von der Kapitalseite seit Jahrzehnten jeden Tag aufs neue gekündigt.

Übrigens haben wir in den letzten Jahren eher Tendenzen, die an Deflation grenzen. Eine Inflationsrate von 3 bis 4 %, wie sie jetzt ist, ist nicht der Untergang der Welt, sondern eigentlich recht normal.
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  #20  
Alt 21.04.2008, 20:21
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Ort: Bremen
Beiträge: 6.067
Ich habe gerade tagesschau gesehen und bin immer wieder fasziniert wie die Medien Krisen von heute auf morgen erschaffen. Es ist ja nicht so, dass die momentanen Probleme erst Anfang letzter Woche entstanden.
Letztendlich wird sowieso alles scheitern weil in der EU alle kritischen Stimmen zur Subventionspolitik sofort abgeblockt werden und ohne die verzerrenden Subventionen kann kein richtiger Markt entstehen, das ist ja simpelste Marktwirschaftslogik. Ohne richtigen Markt muss man sich dann auch über irrational schwankende Preis nicht wundern, denn mein Wissensstand aus dem Film "We feed the world" st immer noch, dass wir eigentlich mehr produzieren als wir brauchen.
Außerdem muss ich wieder mal zugeben, dass ich in Ländern wie Haiti nur mit den Schultern zucken kann. Wenn ein Land so runiert wurde, dass es nichts mehr produziert dann muss man sich über die Folgen nicht wundern. Größere Verwicklungen der westlichen Welt in Haiti sind mir jedenfalls nicht bekannt. Die Menschen dort tun mir zwar trotzdem leid aber wie ich schon mehrfach sagte glaube ich nicht, dass es gut ist wenn Europa weltweit den Sanitäter spielt.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #21  
Alt 21.04.2008, 21:29
Benutzerbild von TigerMC
Administrator
 
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wie isn das: weiß jemand ob die anbaufläche und die ergiebigkeit des bodens in haiti für die eigene bevölkerung ausreichen würde?
wenn ja wieso produzieren die nicht genug, oder ist es mal wieder so dass die importe günstiger sind als selbst autark anzubauen?
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  #22  
Alt 21.04.2008, 21:29
Propraetor
 
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Beiträge: 583
@Wulfnoth: Das liest sich aber sehr nach einer liberalen Auffassung.
@Tiger: Das Problem scheint die (nicht vorhandene) Automatisierung und die kleinparzellige Struktur (Familienbetriebe) der Landwirtschaft zu sein
Bei uns ist der Familienbetrieb auch eher ein Hindernis für steigende Produktivitätszahlen in der Landwirtschaft, was aber durch massive Subventionen politisch so gewollt ist.

Geändert von Titus_Livius (21.04.2008 um 21:31 Uhr).
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  #23  
Alt 21.04.2008, 21:42
Benutzerbild von TigerMC
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Beiträge: 2.366
titus:
aber die frage ist würde der boden reichen wenn man ihn traditionell bewirtschaftet, sprich ohne grossartige modernisierungen, meinetwegen mit familien und parzellenstrukturen? Ich weiss leider nicht genug über die haitianische landwirtschaft
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  #24  
Alt 21.04.2008, 21:50
Propraetor
 
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Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 583
Ich meine, daß deine Frage mit "Nein" zu beantworten ist. Haiti muß Lebensmittel importieren.
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  #25  
Alt 21.04.2008, 22:01
Kafka
Gast
 
Beiträge: n/a
Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Ich denke das Hungersnöte eine logische Konsequenz von Überbevölkerung ist und niemand kann mir erwählen, dass ein Menschenanzahl von 6 Milliarden plus X noch im Rahmen ist.
Ich weiß nicht mehr wo, ich such danach, hab ich gelesen, dass die Weltgmeinschaft problemlos 12 Mrd! Menschen versorgen könnte.

Gewinnspekulationen mit Nahrungsmitteln, Biosprit etc hauen doch stärker rein.
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  #26  
Alt 21.04.2008, 22:03
Benutzerbild von TigerMC
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Beiträge: 2.366
Zitat von Titus_Livius Beitrag anzeigen
Ich meine, daß deine Frage mit "Nein" zu beantworten ist. Haiti muß Lebensmittel importieren.
naja der import an sich ist kein beweis für die landwirtschaftsfähigkeit, weil jedes land irgendwas importieren muss
mir gehts um die grundversorung, also weizen, reis oder was auch immer die da halt gerne essen
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  #27  
Alt 21.04.2008, 22:33
Propraetor
 
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Beiträge: 583
Haiti zählt zu den dreißig ärmsten Ländern der Welt. Nach Angaben der Weltbank hat über die Hälfte der Bevölkerung ein Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 150 US-Dollar. Vier Fünftel der ländlichen Bevölkerung Haitis leben unter dem absoluten Armutsniveau. Die Landwirtschaft ist hier nach wie vor der wichtigste Wirtschaftszweig, dessen Anteil am Bruttosozialprodukt 30% beträgt. Noch deutlicher kommt ihre Rolle in der Erwerbsstruktur zum Ausdruck: Für über 60% der Bevölkerung ist sie immer noch die entscheidende Lebensgrundlage. Rund 40% des Exports entfallen auf Agrarprodukte, wovon Kaffee am wichtigsten ist. Er wird aber wenig systematisch angebaut, wie überhaupt die landwirtschaftlichen Produktionsmethoden äußerst primitiv sind. Obwohl das Land ein ausgesprochener Agrarstaat ist, kann der einheimische Bedarf an Milch und Milchprodukten, Ölen, Fetten und Körnerfrüchten nur zu drei Vierteln gedeckt werden. Allgemein verhindern die historisch gewachsene Sozialstruktur in der Landwirtschaft und der niedrige Entwicklungsstandard des Landes eine zügige Entwicklung. Der Selbstversorgungscharakter der Landwirtschaft ist auch dadurch bedingt, dass der größte Teil der Nutzfläche sich auf Kleinstbetriebe mit weniger als zwei Hektar verteilt. Etwa 8% der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden von Großbetrieben genutzt, die meist in ausländischem Besitz sind und rund 30% der Agrarproduktion erzeugen.
Die starke Besitzsplitterung sowie die zunehmende Bodenzerstörung der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen verhindern eine Steigerung der Produktion. Angesichts eines starken Bevölkerungswachstums gerät so die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ins Hintertreffen.


Also das, was ich schon schrieb. Lebensmittel müssen importiert werden, um auch die städtische Bevölkerung zu versorgen.
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  #28  
Alt 22.04.2008, 12:50
Propraetor
 
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Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 583
Ein aktueller Artikel über das Problem der steigenden Preise bei Lebensmitteln.
NETZEITUNG WIRTSCHAFT WIRTSCHAFTSPOLITIK NACHRICHTEN: Indien gibt keinen Reis mehr her

Meiner Meinung nach ist hier gut veranschaulicht, welchen Fortschritt ein auf den ersten Blick solch Negativszenario bringen kann, wenn der Willen zu Veränderungen da ist. Da der Markt auch hier einfach nur Recht hat und sich auch im Laufe der Zeit selbst bereinigen wird, wäre Umverteilung einfach nur der falsche Weg, da notwendige Veränderungen nicht angegangen werden und die Probleme dadaurch nur größer werden.
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  #29  
Alt 22.04.2008, 13:47
Thete
 
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Ort: Berlin
Beiträge: 701
Zitat von TigerMC Beitrag anzeigen
wie isn das: weiß jemand ob die anbaufläche und die ergiebigkeit des bodens in haiti für die eigene bevölkerung ausreichen würde?
A) Hungersnöte entstehen, wenn sich die Teile der Bevölkerung die Lebensmittel nicht mehr leisten können; das korreliert zwar meist mit schlechten Ernten etc, sagt aber nichts darüber aus, ob genug Nahrungsmittel da sind. Ein Beispiel: In der großen irischen Hungersnot Mitte des 19. Jh., als Millionen Iren verhungerten, wurde gleichzeitig Fleisch nach England exportiert.

Zu Haite: MWn ist die Insel(-hälfte) durch jahrhundertelangen Raubau zeimlich verwüstet; Wälder gibt es kaum noch, der Boden ist erodiert, die Böden erschöpft.

Automatisierung würde den Menschen dort nicht helfen, sondern den Ärmsten die Arbeitsmöglichkeiten rauben; gleiches gilt für die größe der Höfe: Größere wären ev. produktiver, aber wovon sollen die leben, die dann kein Land mehr haben? Kurzfristig wirklich helfen kann man mE mit einer Entwicklung der Landwirtschaft (Verbesserung der Erträge durch, Dünger den Verhältnissen angepasstes Saatgut, dass auch zur Wiederaussaat taugt), die die Existenz der Menschen dort sichert; keine Konzentration auf große Flächen und Export, sondern auf Subsitenzwirtschaft und Selbstversorgung.

Im Großen & Ganzen aber: Das Land ist heruntergewirtschaftet; durch Kolonialzeit und das Jahrhundert danach, dass auch auch nicht besser war.
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  #30  
Alt 22.04.2008, 14:26
Propraetor
 
Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 583
Was ich mich schon öfters gefragt habe: Warum wehren sich so viele Menschen gegen den großen Knall, wohl wissend, daß dieser nur umso verheerender ausfällt, je länger man diesen hinausschiebt?
Gegen diesen Eindruck kann ich mich einfach nicht verwehren, wenn ich dein Posting lese. Um Strukturreformen kommt das Land in der Landwirtschaft und auch der Wirtschaft allgemein so und so nicht herum und den Leuten dann "einzureden", daß Selbstversorgung auf ihrer Parzelle nach wie vor die Erfüllung sei, ist dann doch schon paradox zumal das Land dann nach wie vor nicht am technologischen Fortschritt der Weltgemeinschaft teilnimmt, sondern noch weiter zurückfällt und 40% der Bevölkerung immer noch unter den Tisch fallen.
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