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22.04.2008, 14:48
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Thete
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Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 701
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Ich seh in der Entwicklung einer Landqwirtschaft, die in erster Linie die Menschen vor Ort ernährt, ein Möglichkeit, Zeit zu gewinnen, in der andere Wirtschaftsformen entwickelt werden. Um "Erfüllung" gehts nicht, sondern um eine Haiti-gerechte Lösung, die nicht 50% der Bevölkerung in ein noch tieferes Elend stürzt als es jetzt schon herrscht.
Der "große Knall" würde doch auch nichts bringen, außer Tod & Leid. Der mehr oder minder gewaltsame Aufbau einer "modernen" Landwirtschaft oder einer Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten auch keine Erfolge zu verzeichnen, wie man in den AKP-Staaten sehen kann.
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23.04.2008, 08:27
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Tribun
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Registriert seit: 23.01.2008
Beiträge: 93
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Zitat von Kafka
Ich weiß nicht mehr wo, ich such danach, hab ich gelesen, dass die Weltgmeinschaft problemlos 12 Mrd! Menschen versorgen könnte.
Statistisch schon, wenn man die vorhandene Ackerfläche nimmt, davon ausgeht, dass Dünger und Pestizide in ausreichender Menge vorhanden sind, und daraus die "theoretisch mögliche" Produktion errechnet.
Dann darf man aber nicht tiefer in die Materie eindrigen und etwa die Frage aufwerfen, ob überhaupt genug Erdöl für die Pestizid und Düngerproduktion vorhanden ist, bzw. ob das nicht viel eher bei einem reichen Westler im Tank statt bei einem armen Südler auf dem Feld landen wird.
Wenn man die soziale Komponente ausklammert und davon ausgeht, dass die reichen Länder ihr BSP den armen Ländern zwecks Nahrungsproduktion zur Verfügung stellen, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass man für 12 Mrd Menschen genügend Nahrung produzieren könnte.
Schwer abwägbare Faktoren wie die Klimakatastrophe mal aussen vor gelassen.
Dass Problem ist, dass die Weltbevölkerung sich wohl tatsächlich bei ca. 12 Mrd einpendeln soll, so um das Jahr 2050 herum. Und momentan scheinen selbst die Inder, eher "Autos für alle" statt "Nahrung für alle" auf dem Plan stehen zu haben. Was will man da erst von Staaten erwarten, die bereits "Nahrung für alle" haben?
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"Eine Kuh kann nicht wiehern und ein Pferd hat kein Euter" - Kord der Suchende
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27.04.2008, 16:56
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 599
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Ein Artikel von mir, der am Wochenende erschien:
Aus Not wird Wut
Gefährlicher Sprengstoff: Hunger
Allmählich blühte der Flecken auf. Doch aus dem Jahr 1194 verzeichnet eine alte Chronik zur Geschichte Nürnbergs: «Dürre». Zwei Jahre später hieß es: «Sturmwinde, thun großen Schaden». Menschen und Vieh ertranken. Weiter berichtete der namentlich nicht bekannte Autor: «Folgt darauf eine 5-jährige Theuerung». Zum Jahr 1198 ist zu lesen: «Der erste Auflauf in Nürnberg». Was darauf folgte, ist nicht überliefert.
Wie brisant die Folgen von Hunger sein können, das wussten bereits die Kaiser im Alten Rom. «Brot und Spiele» sollten das Volk bei Laune halten. Kostenlos wurde dazu Getreide aus den Provinzen herbeigeschafft. Aber 354 n. Chr. beispielsweise kam es nach einer Hungersnot in der syrischen Provinz-Metropole Antiochia zu einem Aufstand, bei dem der oströmische Gouverneur gelyncht wurde.
Im Mittelalter knechtete das System des Feudalismus die Menschen, steht heute in den Geschichtsbüchern. Zeitgenossen kannten den Begriff allerdings nicht; sie spürten nur im Alltag die Folgen von sozialer Abhängigkeit und Abgabenlast: Immer wieder erlebten sie Hungerjahre.
Bauernaufstände waren das Ventil. Das war so in Holland 1491/92 und ebenso in den deutschen Bauernkriegen 1524/25. Forderungen nach der Abschaffung des Zehnten und nach freier Jagd und freiem Fischfang werden im Nachhinein als Widerstand gegen die Hörigkeit bezeichnet, in den Köpfen der Menschen von damals waren es nur praktische Mittel gegen drohenden Hunger.
Lokale Hungersnöte gab es in Folge immer wieder. Zum sozialen Flächenbrand aber kam es dann 1789 in Frankreich. «Brot! Brot!» erscholl es in diesem Jahr aus vielen Kehlen im Paris. Unwetter hatten zu einer katastrophalen Missernte geführt, der Brotpreis war dreimal so hoch wie sonst üblich - und Hunger trieb die - einfachen - Menschen um. Der Adel dagegen lebte in Saus und Braus
Wieder einmal trat ein simpler Mechanismus in Kraft: Wenn alles Geld für Nahrungsmittel ausgegeben wird, bleibt nichts mehr übrig für andere Waren, und deren Produzenten geraten ebenfalls in Not. So wurde ebenfalls bei den Handwerkern in Paris das Geld knapp.
Das Gerücht über einen «Hungerpakt» des Adels und der Spekulanten schürte die Stimmung. Schließlich zog das Volk nach Versailles - zum Schloss des Königs. «Brot! Brot!» erscholl es also aus vielen Kehlen. Es war ein Funke, der die Französische Revolution entzündete - eine Revolution, die kluge Köpfe im Bürgertum mit ihren Schriften allerdings intellektuell gut vorbereitet hatten.
Einen wichtigen Mosaikstein lieferte der Hunger in der Revolution von 1848 in Deutschland: Seit 1844 litt ganz Europa unter Missernten, die zu einer extremen Verteuerung der Lebensmittel führten. Hunger trieb zunächst den Aufstand der schlesischen Weber 1844 an. In großen Städten musste zwei Drittel der Bevölkerung unterhalb des Existenzminimums leben. Verarmung breiter Schichten war die Folge. In Oberschlesien erkrankten 80000 Menschen an Hungertyphus. Banden bildeten sich, die vom Militär blutig niedergeschlagen wurden. Das schürte den Hass auf die Obrigkeit, der sich 1848 entlud, erklären Historiker.
Auswanderungsdruck ist die zweite große Folge von Hunger. Eine «große Hungersnot» suchte Mitte des 19. Jahrhunderts Irland heim. Die Bevölkerungzahl auf der Insel hatte den Spitzenwert von 8,5 Millionen Menschen erreicht. Die Felder der einzelnen Bauern geworden waren im Gegenzug immer kleiner geworden. Den Großteil der Ernte mussten die Bauern zudem reichen Landherren und der Kirche abgeben. Ausgenommen waren Kartoffeln. Also breiteten sich überall auf der Insel die Felder mit den Erdäpfeln aus Amerika aus.
Die Katastrophe nahm 1845 ihren Lauf. Braunfäule-Krankheit befiel die Kartoffelpflanzen. Es gab keinerlei Ernte mehr. Mehr als eine Million Iren verhungerten. Ebenso viele wanderten bis 1851 auf die andere Seite des Atlantiks in die Vereinigten Staaten aus. Weitere drei Millionen folgten ihnen später. Am Ende war die Zahl der Einwohner auf der Insel auf die Hälfte geschrumpft.
Angst vor dem Hunger trieb zu jenen Zeiten auch viele Deutsche nach Amerika. «Hier rinnt mehr Fett auf dem Spülwasser, als in Deutschland auf der Suppe», hieß es verlockend in einem Brief eines Auswanderers von 1879 in die alte Heimat.
«Zu Auslösern für den Massenexodus entwickelten sich vor dem Hintergrund des allgemeinen Bevölkerungsdrucks Missernten, Ernährungs- und Teuerungskrisen, die zusammen trafen mit Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit auf den frühindustriellen Arbeitsmärkten», stellte der Wissenschaftler Horst Rößler fest. So gingen zwischen 1820 und 1930 rund 5,9 Millionen Deutsche als neue Siedler oder Arbeiter in die USA. Heute ist nun Europa für viele Erdenbewohner der Fluchtpunkt vor dem Hunger in ihrer Heimat geworden.
Mit Krieg ging in der Regel auch Hunger Hand in Hand. So war es, wieder einmal, in Russland im Ersten Weltkrieg. Vorrang hatten damals die Transporte der Rüstung vor denen der Nahrung. Das führte dazu, dass in dem riesigen Agrarland Anfang 1917 in den Städten die Lebensmittel rationiert wurden und Teile der Bevölkerung hungerten.
Am 8. März des genannten Jahres - nach dem in Russland gültigen Julianischen Kalender am 23. Februar - feierten die sozialistischen Parteien den Internationalen Frauentag. Als Reaktion auf Hunger und Kälte beschlossen die Arbeiterinnen in den Textilfabriken einen Streik und marschierten ins Stadtzentrum von St. Petersburg.
Der Zug wuchs bald auf 100000 Köpfe an. Über 200000 waren es am dritten Streiktag. Die Aufständischen forderten lautstark: «Nieder mit dem Krieg!» und «Tötet den blutigen Schlächter!» Damit war Zar Nikolaus als Kriegsherr gemeint. Was in den nächsten Monaten folgte, ging als Russische Revolution in die Geschichtsbücher ein und sollte das Kräfteverhältnis in der Weltpolitik für Jahrzehnte neu bestimmen.
Inflation und die Angst vor dem Hunger ebneten letztlich dem Faschismus den Weg. Sie waren zwar vielleicht nur eine Facette, aber eine nicht zu unterschätzende bei der zunehmenden Unzufriedenheit der Menschen mit den Machthabern in der Weimarer Republik. 1923 war die Inflation in Deutschland auf ihrem Höhepunkt angelangt - waschkörbeweise trugen die Arbeiter ihren Lohn in die Lebensmittelläden, bevor das Geld weiter an Wert verlor. Der Brotpreis lag im Januar noch bei 250 Mark, im Juni bei 1428 Mark, im September bei 1,5 Millionen und im Dezember bei 399 Milliarden. Erst die Ausgabe einer neuen Währung, der Rentenmark, stoppte die Spirale. Aber das Vertrauen in die Regierung war dahin.
Die Halbierung der Wochenlöhne zwischen 1928 und 1932 schürte Ängste vor dem Gespenst des Hungers. Suppenküchen in den Großstädten versuchten, die schlimmste Not zu lindern. Hitlers Programm der NSDAP fiel unter solchen Umständen in Deutschland auf einen fruchtbaren Nährboden, Mussolinis Propaganda in Italien .
Die bisher wohl schlimmste Hungersnot aller Zeiten herrschte zwischen 1959 und 1961 in China. Nach offiziellen Angaben waren 20, nach anderen Schätzungen bis zu 40 Millionen Opfer zu beklagen.
Die Erscheinung von Hunger hat sich mit dem Bevölkerungswachstum in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschärft. Im Jahr 2000 schlugen Menschenrechtsorganisationen Alarm: Alle 3,6 Sekunden sterbe jemand durch Hunger auf unserer Welt – 75 Prozent davon seien Kinder unter fünf Jahren.
Dass Klimaänderungen in den vergangenen 500 Jahren zu teureren Lebensmitteln, einem größeren Hunger-Risiko, und daraus resultierend sozialen Spannungen führten, wies ein Forschungsprojekt von Wissenschaftlern aus den USA, Großbritannien, Hongkong und China nach. Solche Veränderungen gibt es auch in der Gegenwart. Das Phänomen aber, dass Nahrungsmittel künstlich vernichtet werden, um Bio-Kraftstoff zu gewinnen, das gab es bisher in der Geschichte noch nicht.
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27.04.2008, 17:25
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Administrator
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welche zeitung?
starker artikel
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27.04.2008, 18:07
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Spender
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Zitat von TigerMC
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Nürnberger Nachrichten, Wochenmagazin.
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04.05.2008, 12:33
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die Schwarze
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Wirklich gelungener Artikel.
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06.06.2008, 10:44
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 599
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Der dreitägige "Ernährungs-Gipfel" in Rom ist beendet. Geld wurde zusammen gekratzt. Die Welthungerhilfe aber kritisiert, "dass der Gipfel ohne verbindliche Vereinbarung zur Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume" zu Ende gehe. Eine Chance ist vertan. What next?
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06.06.2008, 11:04
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Propraetor
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Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 575
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Die Evolution nimmt weiter ihren Lauf... .
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