06.09.2008 - 08:43
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  #1  
Alt 11.12.2007, 16:26
Benutzerbild von Jan
Jan Jan ist offline
Patriot
 
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Kontinuitäten 1848 - 1990

So, da ich ja gerade auf einem total demokratisch-patriotischen Trip bin, habe ich eine kurze Frage zu möglicherweise anzunehmenden historischen Kontinuitäten zwischen der gescheiterten Märzrevolution 1848/49 und der Gott sei Dank geglückten "friedlichen Revolution" von 1989/90.

Neben den eher offensichtlichen historischen Linien wie dem Willen nach nationaler Einheit in Freiheit und Demokratie etc. gibt es doch vielleicht noch zusätzlich die Rolle der Kirche zu beleuchten.
Es ist ja bekannt, dass die Friedensgebete und anschließenden Demonstrationen in der DDR hauptsächlich durch den Schutz und Impuls der Kirche stattgefunden haben.
Nun meine Frage, die Ausarbeitung der demokratischen und nationalen Verfassung für ein noch zu proklamierendes "Deutsches Reich" fand ja 1848/49 in der Paulskirche in Frankfurt am Main statt, hatte die Kirche speziell damit näheres zu tun oder war sie durch Säkularisierung usw. noch zu geschwächt um wirklichen Einfluss zu nehmen ?

Insgesamt ist es aber auch durchaus interessant die historischen Parallelen zwischen Märzrevolution und "friedlicher Revolution" zu untersuchen, was hier ja auch gerne geschehen kann.

Denn man los
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Freund der Freiheit
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  #2  
Alt 11.12.2007, 16:41
MacX
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Ich finde, gerade die Kirche ist als Sinnbild des Kampfes für Demokratie denkbar ungeeignet, hat sie doch Jahrhunderte lang die Basis der aristokratischen Machtlegitimation gebildet.
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  #3  
Alt 11.12.2007, 16:44
Benutzerbild von Jan
Jan Jan ist offline
Patriot
 
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Ja, schön und gut, allerdings ist doch die Rolle der Kirche als wichtige Hilfe für die freiheitsliebenden Deutschen in der 2. Deutschen Diktatur unumstritten, oder etwa nicht ?
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Freund der Freiheit
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  #4  
Alt 11.12.2007, 17:35
Novalis
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Die Frage ist, mißt Du der Kirche eine derartige Bedeutung bei, daß es ohne sie nicht zu einer Wiedervereinigung gekommen wäre?
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  #5  
Alt 11.12.2007, 17:45
Benutzerbild von Jan
Jan Jan ist offline
Patriot
 
Registriert seit: 16.06.2005
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Nein, ich denke nicht, dass sie sooo wichtig war, alelrdings war sie sicherlich ein Faktor, der das postive Ende mit bedingt hat
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Freund der Freiheit
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  #6  
Alt 11.12.2007, 17:47
MacX
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Schwer vorstellbar im mehrheitlich atheistischen Ostdeutschland...
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  #7  
Alt 11.12.2007, 18:29
Novalis
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Zitat von Jan Beitrag anzeigen
Nein, ich denke nicht, dass sie sooo wichtig war, alelrdings war sie sicherlich ein Faktor, der das postive Ende mit bedingt hat
Genauso würde ich sie einordnen.
Begünstigend aber nicht unentbehrlich.

Zitat von MacX Beitrag anzeigen
Schwer vorstellbar im mehrheitlich atheistischen Ostdeutschland...
Ich denke nicht, daß der Glauben hier das entscheidende war, sondern das gemeinsame Engagement einzelner Pastoren. Und das kann sich ja auch durchaus auf Atheisten ausgewirkt haben.

Wobei man betonen muß, daß dieser Atheismus seine Wurzeln ja gerade im System hatte.
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  #8  
Alt 11.12.2007, 21:53
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 682
Zitat von Jan Beitrag anzeigen
Nein, ich denke nicht, dass sie (die Kirche) sooo wichtig war, allerdings war sie sicherlich ein Faktor, der das postive Ende mit bedingt hat
Die Meinung über die Kirche teile ich völlig. Sicherlich: da war der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz, der auf die Diskriminierung der Christen in der DDR durch eine öffenliche Selbstverbrennung am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche in Zeitz aufmerksam machen machen wollte. Auf Transparente hatte er seine Botschaften geschrieben wie: "Funkspruch an alle - Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an!". Brüsewitz starb vier Tage später an seinen Verletzungen. In der Bewertung sehen nicht wenige in der Aktion ein Fanal, das der "Wende" in der DDR Auftrieb gab.

Doch das scheint mir eher Legendenbildung zu sein. Ich hatte die Chance, damals mal an der Uni Leipzig die regelmäßigen politischen Diskussionen mit anzuhören. Das war von höchstem Niveau, aber nix mit Kirche. Ich war Berichterstatter, als 12 000 DDR-Bürger in der und um die westdeutsche Botschaft in Prag zur Ausreise in den Westen warteten. Nix christliches. Eine Standardantwort auf die Frage nach ihrem Motiv: "Ist doch Sch..., zehn Jahre musst du warten, bis du einen Trabi kriegst. Im Westen kannst du zum nächsten Autohändler gehen und gleich mit einem Mercedes wieder nach hause fahren". Ich werde das nie vergessen.

Die Paulskirche? Ich zitiere Golo Mann: "Würdig muss man die Versammlung nennen, die im kahlen Rundtempel dr Frankfurter Paulskirche ihre Beratungen aufnimmt. Nie gab es auf Erden ein gebildeteres Parlament. Über hundert Professoren, über zweihundert gelehrte Juristen, dann Schriftsteller, Geistliche, Ärzte, Bürgermeister, hohe Verwaltungsbeamte, Fabrikanten, Bankiers, Gutsbesitzer, sogar ein paar Handwerksmeister und Kleinpächter - keine Arbeiter". Dahinter stand, so Golo Mann, "der europäische Aufruhr gegen die Ordnung der Dinge", der eben auch nach Deutschland übergriff ... Na ja: die Kirche machte mit.

Geändert von Sokotra (11.12.2007 um 21:56 Uhr). Grund: Ortsangabe vergessen
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  #9  
Alt 12.12.2007, 10:35
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.247
Zitat von Sokotra Beitrag anzeigen
Die Paulskirche? Ich zitiere Golo Mann: "Würdig muss man die Versammlung nennen, die im kahlen Rundtempel dr Frankfurter Paulskirche ihre Beratungen aufnimmt. Nie gab es auf Erden ein gebildeteres Parlament. Über hundert Professoren, über zweihundert gelehrte Juristen, dann Schriftsteller, Geistliche, Ärzte, Bürgermeister, hohe Verwaltungsbeamte, Fabrikanten, Bankiers, Gutsbesitzer, sogar ein paar Handwerksmeister und Kleinpächter - keine Arbeiter". Dahinter stand, so Golo Mann, "der europäische Aufruhr gegen die Ordnung der Dinge", der eben auch nach Deutschland übergriff ... Na ja: die Kirche machte mit.
Ich kenne Frankfurt jetzt nicht besonders aber ich denke die schiere Platznot hat sie in die Kirche getrieben, denn das Parlament war ja riesig und nicht viele Gebäude außer Kirchen konnten solch gewaltige Menschenmassen aufnehmen.
Richtige Parlamentsgebäude gab es damals - zumal in Frankfurt in dem gerade mal ein paar exklusive Fürstenkollegien getagt hatten - nicht.
Korrigiert mich wenn ich falsch liege.
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  #10  
Alt 12.12.2007, 11:10
Thete
 
Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 732
Zum Thema DDR und Kirche

Es gab einige engagierte Pfarrer bzw. Gemeindemitglieder, ja; die Kirchen der DDR waren aber nicht der Hort des Widerstandes, zu denen sie heute gerne gemacht werden (gerade von Kirchen und C-Parteien).
Im Großen und Ganzen wiaren sie recht angepasst und "staatstragend", durchsetzt mit systemtreuen Funtionären und IMs. Die Rolle der Kirche während der "freidlichen Revolution" war v.a. die einer nicht-staatlichen Organisation, die der sich formierenden Opposition logistische Unterstützung bieten konnte (am wichtigsten: Räume), und die auf alle Seiten einwirkte, gewaltlos zu bleiben. Eine Gleichsetzung DDR-Opposition=Kirche ist völlig verfehlt, auch wenn einzelne Kirchenpersonen natürlich zu den Dissidenten zu tählen sind.

Zitat von Novalis Beitrag anzeigen
Wobei man betonen muß, daß dieser Atheismus seine Wurzeln ja gerade im System hatte.
Was immer uns dieser Satz sagen soll...

Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Ich kenne Frankfurt jetzt nicht besonders aber ich denke die schiere Platznot hat sie in die Kirche getrieben, denn das Parlament war ja riesig und nicht viele Gebäude außer Kirchen konnten solch gewaltige Menschenmassen aufnehmen.
Kann auch keine Quelle dafür anführen, aber ich sehe das genauso; ich wüßte nicht, wo im Frankfurt des 19. Jh. mehrere hundert Menschen tagen könnten; dummerweise hatt edie Stadt kein Wasserwerk...

Man beachte dabei auch die "Tagungsstätten" der "Fraktionen"... das waren die größeren Gasthäuser der Stadt, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt...
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  #11  
Alt 12.12.2007, 11:13
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.247
Zitat von Thersites Beitrag anzeigen
Kann auch keine Quelle dafür anführen, aber ich sehe das genauso; ich wüßte nicht, wo im Frankfurt des 19. Jh. mehrere hundert Menschen tagen könnten; dummerweise hatt edie Stadt kein Wasserwerk...
Man braucht ja nicht nur ein großes Gebäude sondern auch einen großen Plenarsaal und für sowas bietet sich eine Kirche ja perfekt an.

Zitat von Thersites Beitrag anzeigen
Man beachte dabei auch die "Tagungsstätten" der "Fraktionen"... das waren die größeren Gasthäuser der Stadt, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt...
Ja so habe ich das auch in Erinnerung.
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  #12  
Alt 12.12.2007, 11:37
Thete
 
Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 732
Moin, Wulfnoth,

Das mit dem Wasserwerk sollte nur auf den jahrelang Tagungsort des Bundestages in Bon anspielen; wobei ich nciht weiß, ober der Plenarsaal da reingebaut wurde oder mehr oder minder zum originalen Wasserwerk gehörte.

Haben die Parlamentarier der Paulskirche nicht auch die Kanzel der Kriche als Rednerpult benützt? In meinem Geschichts-Schulbuch war vor langen, langen Jahren so nen Farbstich, der das zeigte.
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