20.11.2008 - 10:20
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  #1  
Alt 08.10.2007, 03:08
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
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Beiträge: 407
Leugnen der Shoa

Bekannterweise ist das Leugnen des Holocaust in Deutschland verboten, ebenso in anderen Ländern z.B. Frankreich, Israel, Litauen, Neuseeland, den Niederlanden, Österreich, Polen, Rumänien, der Schweiz, Spanien, und Tschechien.

Dieses Verbot ist nicht unumstritten.

Wie seht ihr das:
Ist das Verbot einer Ausschwitz-Lüge notwendig, um zu verhindern, dass Rechtsradikale offen auf Veranstaltungen oder im Internet den deutschen Massenmord an Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Russen, Polen... bestreiten?
Oder ist es unnötig, da der Holocaust eine historische Tatsache ist, die nicht durch ein Verbot ihrer Leugnung bekräftigt werden muss?

Meiner Meinung nach brauchen wir ein solches Verbot nicht: Wie gesagt; dass es die Shoa gab ist fakt. Niemand kann das ernsthaft bestreiten. Ein Verbot, den Holocaust zu leugnen lässt es doch so aussehen, als ob es für ihn keine Beweise gäbe und man diejenigen, die die "Wahrheit" ans Licht brächten zum Schweigen bringen wolle. Zudem sind die Gerichtsprozesse gegen Holocaust-Leugner, aufgrund der hohen Medienpräsenz, für die rechte Szene eine ideale Werbeaktion.


PS: In diesem Thema soll nicht infrage gestellt werden, dass es die Shoa gab, sondern es soll darüber diskutiert werden, ob ein Verbot diese zu leugnen sinnvoll ist oder nicht.
Es komme also bitte keiner auf die Idee Parolen à la Ernst Zündel oder Mahmud Ahmadinedschad zu verbreiten.
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  #2  
Alt 08.10.2007, 06:04
Novalis
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Ich denke, der Sinn des Verbotes liegt nicht darin, die Tatsache des Holocaustes zu rechtfertigen.
Der Sinn liegt ganz einfach darin, Diskussionen darüber, die von Pseudozweifelnern immer wieder geführt werden würden, zu verhindern.
Macht sich nicht gut vor den Überlebenden.
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  #3  
Alt 08.10.2007, 09:59
mozart
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Da leugnet also jemand den HC, und nun? Erschiessen? Einsperren für Jahre? Und das nur weil jemand nicht glaubt was vor mehr als 60 Jahren passiert ist? Zweifler oder in dem Fall auch möglicherweise Dumme wird es immer wieder geben. Aber jemanden zu zwingen was von oben als Wahrheit festgeschrieben wurde zu glauben? Prima, Galileo lässt grüßen.

Und gerade für uns als Historiker darf es nichts schlimmeres geben wie wenn der Staat Geschichte festsetzt. Das Dritte Reich lässt grüßen? Geschichtswissenschaft ist ein sich immer wieder selbst antreibender Prozess, weil es immer Leute gibt die wissen wollen was dahinter steht oder ob die momentane Geschichtswissenschaft richtig liegt. Wenn man dieses Streben, egal auf welchen Bereich der Geschichte man das bezieht, unter Strafe stellt... na dann gut nacht.
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  #4  
Alt 08.10.2007, 12:03
Benutzerbild von Wulfnoth
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
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Zitat von mozart Beitrag anzeigen
Da leugnet also jemand den HC, und nun? Erschiessen? Einsperren für Jahre? Und das nur weil jemand nicht glaubt was vor mehr als 60 Jahren passiert ist? Zweifler oder in dem Fall auch möglicherweise Dumme wird es immer wieder geben. Aber jemanden zu zwingen was von oben als Wahrheit festgeschrieben wurde zu glauben? Prima, Galileo lässt grüßen.
Nun ja Gesetze werden Geschaffen wenn Bedarf besteht. Hier besteht eben offensichtlich Bedarf.

Zitat von mozart Beitrag anzeigen
Und gerade für uns als Historiker darf es nichts schlimmeres geben wie wenn der Staat Geschichte festsetzt. Das Dritte Reich lässt grüßen? Geschichtswissenschaft ist ein sich immer wieder selbst antreibender Prozess, weil es immer Leute gibt die wissen wollen was dahinter steht oder ob die momentane Geschichtswissenschaft richtig liegt. Wenn man dieses Streben, egal auf welchen Bereich der Geschichte man das bezieht, unter Strafe stellt... na dann gut nacht.
Als diese Gesetze geschrieben wurden war das ganze noch keine Geschichte sondern ein jüngeres Ereignis.

Zitat von Novalis Beitrag anzeigen
Ich denke, der Sinn des Verbotes liegt nicht darin, die Tatsache des Holocaustes zu rechtfertigen.
Der Sinn liegt ganz einfach darin, Diskussionen darüber, die von Pseudozweifelnern immer wieder geführt werden würden, zu verhindern.
Macht sich nicht gut vor den Überlebenden.
Ich denke es geht auch darum eine Handhabe gegen verfassungsfeindliche Parteien zu haben.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #5  
Alt 08.10.2007, 13:54
Novalis
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Zitat von mozart Beitrag anzeigen
Da leugnet also jemand den HC, und nun? Erschiessen? Einsperren für Jahre? Und das nur weil jemand nicht glaubt was vor mehr als 60 Jahren passiert ist? Zweifler oder in dem Fall auch möglicherweise Dumme wird es immer wieder geben. Aber jemanden zu zwingen was von oben als Wahrheit festgeschrieben wurde zu glauben? Prima, Galileo lässt grüßen.
Das Gesetzt schreibt niemandem vor daran zu glauben.
Im Zweifel einfach mal nachlesen.
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  #6  
Alt 08.10.2007, 14:17
Thete
 
Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 770
Die Einschränkung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit ist ein äußerst schwerwiegender Akt; und Meinungsfreiheit beinhaltet auch, Dinge zu behaupten, die incht wahr sind. Wenn ich mich morgen vor Brandenburger Tor stelle und behaupte, die Sonne geht im Westen auf, werd ich ja auch nicht eingesperrt (höchstens wegen Ruhestörung oder so).

Die Strafbarkeit der Leugnung des Holocausts ist aber von BVerfG bestätigt, da hier u.a. das Andenken Verstorbener mit Füßen getreten wird. Von den politischen Implikationen ganz zus chweigen, die aber verfassungsrechtlich eben nicht reichen, Meinungsäußerungen zu verbieten.

Persönlich kann ich sagen, dass ich das Ganze richtig finde, wenn auch mit den Bauchschmerzen, die man immer bekommen solte, wenn Menschenrechte eingeschränkt werden. Mit größerem geschichtlichen Abstand mag sich das ändern.
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  #7  
Alt 08.10.2007, 14:30
mozart
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"Jesus hat nie gelebt und Christen wurden nie verfolgt und ermordet!"

Damit würde ich, wenn ich es ernst meinen täte, die Würde christlicher Opfer verletzen und eine Weltreligion beleidigen.

Nicht schön, aber ich muss es aushalten. Es gibt ein wunderbares Zitat aus der Zeit der Aufklärung. Ich weiß nicht wer es gesagt hat aber es ging in etwa so:

"Ich verabscheue ihre Meinung, würde aber dafür sterben das sie sie sagen dürfen."
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  #8  
Alt 08.10.2007, 14:54
Novalis
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edit

Geändert von Novalis (08.10.2007 um 14:59 Uhr)
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  #9  
Alt 08.10.2007, 14:59
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
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Nehmen wir einmal an, dieses Verbot wäre aufgehoben:
Was wäre dann?
Natürlich würden die Anhänger der rechten Szene den Holocaust offen leugnen und die Aufhebung des Verbotes feiern, weil man nun endlich die "Wahrheit" sagen könne. Aber würde dann wirklich jemand glauben, dass es die Shoa nie gegeben hat? Höchstens diejenigen, die man schon jetzt von diesem Unsinn überzeugen kann und als Argument aufführt, dass es für den Holocaust keine Belege gäbe und man deshalb durch ein Verbot die Verbreitung der "Wahrheit" verhindern wolle.
Abgesehen von diesen Leuten ist doch allen Menschen klar, dass es den Holocaust gab und dessen Abstreitungen nur dumme rechte Parolen sind.
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  #10  
Alt 08.10.2007, 15:04
mozart
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Beiträge: n/a
Zitat von K. Ropp Beitrag anzeigen
Nehmen wir einmal an, dieses Verbot wäre aufgehoben:
Was wäre dann?
Natürlich würden die Anhänger der rechten Szene den Holocaust offen leugnen und die Aufhebung des Verbotes feiern, weil man nun endlich die "Wahrheit" sagen könne. Aber würde dann wirklich jemand glauben, dass es die Shoa nie gegeben hat? Höchstens diejenigen, die man schon jetzt von diesem Unsinn überzeugen kann und als Argument aufführt, dass es für den Holocaust keine Belege gäbe und man deshalb durch ein Verbot die Verbreitung der "Wahrheit" verhindern wolle.
Abgesehen von diesen Leuten ist doch allen Menschen klar, dass es den Holocaust gab und dessen Abstreitungen nur dumme rechte Parolen sind.
Richtig beobachtet.

Und wenn man mal schaut, welch ein Schindluder mit diesem Gesetz betrieben wird... da wird ein NPD Politiker wegen Volksverhetzung angeklagt (Grundlage §130) weil er den Vorschlag machte, die Schulen können ja das fehlende Geld einsparen indem man im Jahr vielleicht nur noch einmal nach Auschwitz fährt...
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  #11  
Alt 08.10.2007, 15:24
Novalis
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Zitat von Thersites Beitrag anzeigen
Die Einschränkung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit ist ein äußerst schwerwiegender Akt;
Die Meinungsfreiheit besitzt von Anfang an eine Schranke.
Sie wird nicht erst durch dieses Gesetz eingeschränkt.

und Meinungsfreiheit beinhaltet auch, Dinge zu behaupten, die incht wahr sind.
Nur, solange es niemandem schadet.

Persönlich kann ich sagen, dass ich das Ganze richtig finde, wenn auch mit den Bauchschmerzen, die man immer bekommen solte, wenn Menschenrechte eingeschränkt werden. Mit größerem geschichtlichen Abstand mag sich das ändern.
Hast Du jeden Tag Bauchschmerzen?
Eine ganze menge Grundrechte sind noch im Grundgesetz selbst eingeschränkt.
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  #12  
Alt 08.10.2007, 17:35
MacX
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Für mich gehört die uneingeschränkte Meinungsfreiheit zur Definition eines freiheitlichen Rechtsstaates. Die ist in diesem Land nicht gegeben, was ich aufs Schärfste verurteile.

Wenn man sich der Tatsache des Holocausts so sicher ist, sollte vielleicht mehr in Aufklärung investiert werden, anstatt alle Aussagen zu verbieten, die vielleicht unangenehme Folgen haben könnten.
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  #13  
Alt 08.10.2007, 19:14
Benutzerbild von Wulfnoth
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Zitat von MacX Beitrag anzeigen
Für mich gehört die uneingeschränkte Meinungsfreiheit zur Definition eines freiheitlichen Rechtsstaates. Die ist in diesem Land nicht gegeben, was ich aufs Schärfste verurteile.
In welcher Traumwelt lebst du? Ein Staat kann nur nach dem Prinzip funktionieren, dass die Grundrechte dann eingeschränkt werden wenn sie die Rechte der anderen beschränken.
Uneingeschränkte Meinungsfreiheit kann es deshalb nicht geben, alleine um Verläumdung und Beleidigung zu unterbinden.
__________________
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  #14  
Alt 08.10.2007, 19:30
MacX
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Jeder kann sich gegen Beleidigung oder Verleumdung wehren. Ich glaube nicht, dass man Gesetze und Strafen braucht um einen vernünftigen Umgang miteinander zu regeln.
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  #15  
Alt 08.10.2007, 19:32
Benutzerbild von Wulfnoth
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
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Anarchie oder was? Das Thema ist mir zu absurd, da diskutier ich nicht mit. Bräuchten wir keine Gesetze hätten wir keine...
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