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26.05.2008, 12:39
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 848
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Siemens
Heute, am 26. Mai 2008, begann der Prozess gegen führende Manager wegen des Schmiergeldskandals, der den Siemens-Konzern schüttelt. In den Medien wurde viel über die "schwarzen Kassen" geschrieben, das muss ich hier nicht mehr ausbreiten. Manche sprechen in Zusammenhang mit Siemens vom größten Skandal in der deutschen Nachkriegs-Wirtschaftsgeschichte. Ich frage:
Ist das eine Kampagne, obwohl andere Unternehmen nicht anders handelten? (Bis 1999 waren Schmiergelder legitim und sogar förmlich von der Steuer absetzbar).
Was war der Auslöser (Ex-Vorstandschef Klaus Kleinfeld sprach von "faulen Äpfeln am Stamm", der heutige Peter Löscher sieht die Ursache in der "Unternehmenskultur" des früheren Chefs Heinrich von Pierer, ich persönlich sehe als Auslöser den Druck durch die verordneten allzu hohen "Margenziele")?
Ist der Fall Siemens symptomatisch für allgemein verkommene Moral im Management?
Was für eine Phase in der Unternehmensgeschichte von Siemens (immerhin eines der größten industriellen Arbeitgeber in Deutschland) ist das jetzt?
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26.05.2008, 13:01
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K.u.K. Hofzensor
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Registriert seit: 19.05.2005
Ort: Wien
Beiträge: 1.065
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Ich denke nicht, dass es sich hierbei um einen Einzelfall handelt. Schmiergelder sind, besonders bei Großprojekten Standard. Natürlich redet keiner drüber, aber das bsp. bestimmmte Vermittler und Makler ihre Provision noch einmal schwarz einstreichen hat wahrscheinlich der ein oder andere schon öfters selbst erlebt.
Schmiergeldzahlungen würde ich einfach als Entscheidungshilfe für Unentschlossene bezeichnen und natürlich als Schweinerei. Ich bezweifle aber, dass sich das irgendwer zu Herzen nimmt und, Hand aufs eigene Herz, (fast) jeder Mensch ist käuflich, es kommt nur auf die Summe an.
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26.05.2008, 13:36
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Thete
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Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 770
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Zitat von Argeados
Ich denke nicht, dass es sich hierbei um einen Einzelfall handelt. Schmiergelder sind, besonders bei Großprojekten Standard. Natürlich redet keiner drüber, aber das bsp. bestimmmte Vermittler und Makler ihre Provision noch einmal schwarz einstreichen hat wahrscheinlich der ein oder andere schon öfters selbst erlebt.
Schmiergeldzahlungen würde ich einfach als Entscheidungshilfe für Unentschlossene bezeichnen und natürlich als Schweinerei. Ich bezweifle aber, dass sich das irgendwer zu Herzen nimmt und, Hand aufs eigene Herz, (fast) jeder Mensch ist käuflich, es kommt nur auf die Summe an.
Ist im Prinzip alles nicht falsch; und jetzt ist diese Schweinerei aufgeflogen, und die Verantwortlichen müssen halt die Konsequenzen tragenm. Ich halte das ganze für eine relative normale Geschichte: Bei einem großen Konzern wird gegen geltendes Recht verstoßen; der ist damit bestimmt nicht allein, aber da der konkrete Fall nun mal am Tageslicht hat ein Richter dabei das letzte Wort.
Wünschen würde ich mir eine stärkere persönliche Haftbarmachung von Managern; wer gegen Gesetze verstößt gehört dafür zur Verantwortung gezogen, so einfach ist das. Es kann nicht sein, dass Manager jetzt auf "Sachzwänge" verweisen und für sich entweder implizit Strafreiheit fordern oder die Geldstrafe von der Firma gezahlt wird. Korruption etc., auch im Interesse der Firma, ist ein persönliches Fehlverhalten, dass auch persönliche Konsequenzen nach sich ziehen muss.
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26.05.2008, 13:54
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 848
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Ich stimme Thersites zu mit der Verantwortung. Zumal auch die "einfachen" Mitarbeiter in den Fabriken unter dem Verhalten der Manager im Vertrieb leiden ...
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09.06.2008, 19:20
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 848
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Aussage jagt Aussage beim Prozess gegen einen Ex-Manager in München. Schwarze Kassen werden bestätigt, und Abhörpraktiken gegen Betriebsräte. Aber das Interesse des werten Publikums scheint abzunehmen. Hat sich die Öffentlichkeit daran gewöhnt, wird das Thema so langweilig wie sich wiederholende Nachrichten über Bürgerkriege? Natürlich ist das nicht vergleichbar - aber das Prinzip des erschlaffenden Interesses scheint ähnlich zu sein ...
Indiz: Auch in diesem Forum stößt das Thema auf wenig Interesse ...
Geändert von Sokotra (09.06.2008 um 19:23 Uhr)
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09.06.2008, 19:30
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Thete
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Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 770
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Ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich gänzlich ungeniert.
Wenn man eine solche Nachricht nach der anderen hört nehmen Interesse und Empörung automatisch ab. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Korruption und Bespitzelung von Untergebenen wohl zur Wirtschaftselite dazugehören; ebenso wie ein erklecklicher Mangel an Verständnis für die so oft eingeforderte FDGO.
Mal ehrlich, gebt einem Menschen einen Innenministerposten und er wird zum Polizeistaatsfanatiker; gebt einem Menschen einen Posten oben bei einem großen Konzern und er wird zum Wirtschaftsstraftäter. Kein Wunder, dass die Deutschen bei repräsentativen Umfragen keiner Gruppe weniger vertrauen als den Managern und Politikern...
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10.06.2008, 14:25
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Proconsul
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Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 1.232
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Es gibt immer für und wider. Und der Grat ist sehr schmal und einsam, auf dem man als Manager wandelt. Auf der einen Seite der Druck durch die Politik (Arbeitsplätze, Einkommen der Arbeitnehmer usw.), auf der anderen Seite der Wettbewerb und das Überleben des eigenen Unternehmens.
Rein betriebswirtschaftlich betrachtet ist es doch ein Faktum, daß eben durch diese Schmiergelder und schwarzen Kassen Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen und erhalten wurden. Wieviel Unfähigkeit würde man wieder dem Management vorwerfen, stellt es sich absolut korrekt einem unsauber arbeitendem Wettbewerb und baut zwangsläufig Arbeitsplätze mangels fehlender Aufträge hier ab?
Sicher also eine der weniger schönen Seiten der Marktwirtschaft, aber immer noch besser, als am permanenten Gängelband der staatlichen Bürokratie zu kleben und schlußendlich gar nichts mehr bewegen zu können.
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10.06.2008, 18:41
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Thete
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Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 770
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Zitat von Titus_Livius
Rein betriebswirtschaftlich betrachtet ist es doch ein Faktum, daß eben durch diese Schmiergelder und schwarzen Kassen Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen und erhalten wurden.
Na und? Mit dem gleichen Argument können Autonome Autos anzünden; schafft auch Arbeitsplätze, in Reperaturwerkstätten, Autoherstellern, Versicherungen...
Mal im Ernst, entweder es gibt Gesetze, und die gelten für alle, oder wir sparen uns den Unsinn; dann sollen sich die Herren und Damen Manager aber auch nicht beschweren, wenn irgendwelchen Linksradikalen die Yacht oder das Wochenendhäuschen auf eigene Faust sozialisieren.
Außerdem: Was dem einen Unternehmen nutz schadet einem anderen. Im Endeffekt verliert die Gesellschaft, wenn die Firma bevorzugt wird, die die meisten Schmiergelder zahlt, und nicht die, die die beste Leistung erbringt.
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10.06.2008, 19:35
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Proconsul
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Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 1.232
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Mal im Ernst, entweder es gibt Gesetze, und die gelten für alle, oder wir sparen uns den Unsinn; dann sollen sich die Herren und Damen Manager aber auch nicht beschweren, wenn irgendwelchen Linksradikalen die Yacht oder das Wochenendhäuschen auf eigene Faust sozialisieren.
Mag moralisch richtig sein, aber innerhalb Europas ist das schon aufgrund der unterschiedlichen Gesetzeslage und monetären Ansprüchen der eiinzelnen Beteiligten ein Problem, geschweige denn global betrachtet.
Außerdem: Was dem einen Unternehmen nutz schadet einem anderen. Im Endeffekt verliert die Gesellschaft, wenn die Firma bevorzugt wird, die die meisten Schmiergelder zahlt, und nicht die, die die beste Leistung erbringt.
Eigentlich bin ich ja für die Abschaffung von Nationalstaaten, da es der Menschheit ohne diese völlig verschiedenen Bürokratie wesentlich besser gehen würde. Der globale Staat ist mir da auch wesentlich sympathischer. Leider sind die Menschen in der Mehrheit aber dazu nicht bereit, was sich schon inder wesentlich kleineren Dimension der EU zeigt. :(
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10.06.2008, 21:38
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Praetor
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Registriert seit: 19.02.2008
Beiträge: 381
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Man sollte hier die Verstrickung des Bundesnachrichtendienstes mit dem Unternehmen nicht vernachlässigen.
Vor diesem Hintergrund gewinnen Schmiergeldzahlungen ganz andere Bedeutung.
Vor allem da ja die Übergänge zwischen Mitarbeitern den BND und Mitarbeitern der Firma Siemens in manchen Fällen recht fließend waren.
__________________
Glory, glory to old Ireland,
glory, glory to this island,
glory to the memory of the men
who fought and died,
"No surrender" is the war cry of
the Belfast Brigade.
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21.06.2008, 13:48
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 848
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Eine gute Geschichte bietet die neueste Ausgabe der Zeitschrift "Capital": Wie Unternehmen (mit Korruption) an Aufträge kommen (online hab ich's leider nicht gefunden). Message: Was da andere machen, und insbesondere die Amerikaner, dagegen war, was bei Siemens passierte, nur einfach dilettantisch ...
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21.06.2008, 13:51
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.449
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Was mich in dem Zusammenhang mal interessieren würde ist ob in den USA Auslandskorruption strafbar ist? Ich konnte dazu nichts finden.
Weil die Strafbarkeit von Auslandskorruption seit den späten 90ern ist ja anscheinend Dreh- und Angelpunkt des Simens-Skandals.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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21.06.2008, 14:01
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Proconsul
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Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 1.232
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21.06.2008, 14:03
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 848
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Zitat von Wulfnoth
Was mich in dem Zusammenhang mal interessieren würde ist ob in den USA Auslandskorruption strafbar ist? Ich konnte dazu nichts finden.
Weil die Strafbarkeit von Auslandskorruption seit den späten 90ern ist ja anscheinend Dreh- und Angelpunkt des Simens-Skandals.
Auf die Schnelle: Ja. Grundlage ist die "Foreign Corrupt Practices Act", die in den USA schon 1977 erlassen wurde, während bei uns bis 1999 solches als Sonderausgaben steuermindernd geltend gemacht werden konnte.
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28.06.2008, 12:24
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 848
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Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Im Inland fallen bei Siemens in Deutschland etwa 6400 von 130 000 Stellen weg. Das ist weniger als von vielen befürchtet. Der Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal ist vorhanden: Siemens droht deswegen von der US-Börsenaufsicht SEC noch eine Strafe in Milliardenhöhe, und die Kosteneinsparung, um die es beim Personalabbau in Vertriieb und Verwaltung geht, soll 1,2 Milliarden Euro bis 2010 betragen. Das ergibt ein Nullsummenspiel.
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